Handlung

Nürnberg, 20. November 1945 - In einer immer noch in Trümmern liegenden Stadt begann knapp sechs Monate nach der deutschen Kapitulation der Prozess gegen NS-Verbrecher. Die Vereinigten Staaten, Frankreich, das Vereinigte Königreich und die Sowjetunion vereinigten sich, um ein exemplarisches Urteil über die Verbrechen gegen den Frieden und, zum ersten Mal in der Geschichte, »Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, die von den Nazis begangen wurden, zu fällen. Auf der Anklagebank saßen 21 der führenden NS-Verantwortlichen, darunter Hermann Göring, Rudolph Hess, Joachim von Ribbentrop und Wilhelm Keitel. Alle plädieren für nicht schuldig. Die begangenen Gräueltaten waren jedoch unermesslich enorm. Als Beweis wurden Filmen, die nach der Befreiung der KZ- und Vernichtungslager gedreht worden sind, zum ersten Mal vor dem Gericht gezeigt. Die Vorlage von Beweismitteln, Gegenüberstellungen, Zeugenaussagen von Henkern und Opfern folgten aufeinander. Nach zehn Monaten dauernden Verhandlungen wurde das Urteil verkündet: 12 Todesstrafen, zu denen einen in Abwesenheit, 7 Freiheitsstrafen und 3 Freisprüche. So endete der Prozess, der den Weg für die Schöpfung einer internationalen Justiz geebnet hat.
Zum ersten Mal erzählt ein Dokumentarfilm den Ablauf des Nürnberger Prozesses aus dem Gerichtssaal heraus.
Vom US-Präsidenten Harry S. Truman beauftragt, um den Prozess zu organisieren, beschloß der Generalstaatsanwalt der Vereinigten Staaten Robert H. Jackson im Juni 1945, die Verhandlungen des Internationalen Militärgerichtshofs von Nürnberg zu filmen.
Das Team der Field Photographic Branch (OSS), das seit dem Beginn des Krieges vom berühmten Regisseur John Ford geleitet wurde, wurde mit der Drehvorbereitung beauftragt. Das Kamerateam, das kaum merkbar bleiben sollte, um die Sachlichkeit der Verhandlungen nicht zu stören, verfügten zumeist über eine einzige 35-mm-Kamera. Da die Dauer jedes Filmmagazins sehr kurz, allerhöchstens zehn Minuten, war, wurden nur Ausschnitte der Verhandlungen, insgesamt 25 Stunden, aufgenommen.
Das United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) hat alle 250 Filmspulen auf ein Videoformat übertragen. Nachdem sie eine Kopie erhalten haben, haben die Compagnie des Phares et Balises und das Centre de documentation juive contemporaine/Mémorial de la Shoah diese Bilder in chronologischer Reihenfolge zusammengestellt und damit ein Material dargestellt, das von Forschern und auch vom breiten Publikum mühelos benutzt werden kann. Diese aufwändige Arbeit, die von Christian Delage mit der Mitwirkung von der Historikerin Caroline Moine betreut wurde, hat es ermöglicht, die komplette Abschrift des Prozesses mit der gefilmten Aufnahme zu vergleichen.
Aus diesem hervorragenden Archiv geführt ist dies der erste Dokumentarfilm, der die Zuschauer*innen im Kern des Gerichtssaales bringt.

Regie

Christian Delage

Staat

Deutschland

Produktion

Compagnie des Phares et Balises / Arte (Nuremberg, les nazis face à leurs crimes)